Impressionen vom Sommerfest 2021
Am 03. September 2021 haben Architektenkammer und Ingenieurkammer Bremen zum gemeinsamen Sommerfest eingeladen.

"Klimaschutz ist die große Klammer“

Senatorin Dr. Maike Schaefer zu Gast beim Sommerfest der Kammern

Die Einlasskontrolle war streng, aber dann fühlte es sich fast wie früher an: Nach einem Jahr coronabedingter Pause haben die Architektenkammer und die Ingenieurkammer Bremen am 3. September 2021 wieder ihr gemeinsames Sommerfest veranstaltet. Bei lauem Spätsommerwetter waren insgesamt rund 160 Kammermitglieder und Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur der Einladung in die Geschäftsstelle gefolgt. Es war ihnen anzumerken, wie sehr viele diese seltene Gelegenheit des ungezwungenen Austauschs und Netzwerkens genossen haben.

Highlight des Abends war der Sommertalk der Kammerpräsidenten Oliver Platz und Torsten Sasse mit Dr. Maike Schaefer, Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau. Die Fragen der beiden Präsidenten bewegten sich auf den drei thematischen Ebenen der Bundespolitik in Bezug auf die anstehende Bundestagswahl, auf die aktuelle und zukünftige Landespolitik sowie auf die konkreten Planungen im Rahmen des Aktionsprogramms Bremer Innenstadt.

Gleich zu Beginn stellte die Senatorin fest, dass ein Querschnittsthema in unterschiedlicher Weise alle anderen Themen berührt: „Der Klimawandel hat uns erreicht, er wird Auswirkungen auf alle Politikbereiche haben, egal wer regiert. Es geht um die Zukunft der heutigen jungen Generation. Der Klimaschutz ist die große Klammer.“ Bei der Berücksichtigung von Klimaschutzbelangen sei jedoch vorerst kein allgemeiner Klimaschutzvorbehalt geplant. Vielmehr wolle man die bestehenden Energiestandards im Einzelfall beurteilen, um die jeweils optimale Lösung zu finden. Als rechtliche Grundlage befinde sich dazu ein „Landeswärmegesetz“ zu den Standards für nachhaltige Energiegewinnung im Land Bremen in der Vorbereitung.

Zustimmung fand bei der Senatorin das Anliegen von Kammerpräsident Oliver Platz, beim Bauen im Bestand die Graue Energie verstärkt in die Berechnungen einzubeziehen und ein entsprechendes Instrumentarium zu entwickeln. Hier geht es laut Schaefer auch darum, für den Bestand angepasste Förderprogramme zu entwickeln.

Auch der von den Präsidenten angesprochene Missstand der ausschließlich auf den Neubau ausgerichteten Normenlandschaft wurde von Schaefer grundsätzlich anerkannt, ebenso die notwendige Entschlackung der Bauvorschiften. Eine Deregulierung sei jedoch auf Landesebene schwer umzusetzen und nur in Abstimmung auf Ebene der bundesweiten Musterbauordnung möglich. Vielmehr leide auch die Baubehörde unter der Fülle der Regulierungen.

Auf die Frage von Kammerpräsident Torsten Sasse zu einem besseren Zugang zu recycelten Baumaterialien im Land Bremen konnte die Senatorin von einer anstehenden Anhörung zum Thema Recycling von Bauabfällen berichten. Anlass der Anhörung ist die Überlastung der Bauschuttdeponie im Land Bremen, deren Kapazität in rund zehn Jahren erreicht ist. Ziel sei es, den Anteil des Baustoffrecycling bei Abbruchmaßnahmen deutlich zu erhöhen und vor allem dessen Qualität zu verbessern, so dass recycelte Baustoffe über den Straßenbau hinaus zu breiterem Einsatz kommen können. Den Vorschlag von Oliver Platz, das Kriterium der wiederverwendeten Materialien im Vergaberecht zu berücksichtigen, sieht Schaefer für den Moment verhalten, sie sieht das Risiko einer weiteren belastenden Regulierung. Zunächst müsse verwertbares Material zur Verfügung stehen und ein vertretbares Kosten-Nutzen-Verhältnis vorliegen.

Die Diskussion drehte sich auch um die derzeit geplanten oder in Umsetzung befindlichen verkehrlichen Maßnahmen in der Stadt Bremen. Die Verkehrswende, so Maike Schaefer auf Nachfrage von Präsident Torsten Sasse, sei ein langer Prozess, der jedoch jetzt starten müsse. Mit Blick auf die kontroversen Reaktionen auf die Umwandlung des Alten Walls zur Fahrradpremiumroute stellte sie fest: „Wenn wir es jetzt nicht einmal schaffen, einen Kilometer Straße verkehrsberuhigt umzunutzen, dann brauchen wir über eine klimafreundliche Stadt gar nicht erst zu reden.“, und erntete damit viel Applaus im Publikum. In Aussicht stellte sie auch die Umsetzung der drei Fahrradbrücken im Rahmen der Fahrradpremiumrouten, für die Planungsmittel seit dem Jahr 2019 eingestellt seien und nun in die Durchführung gingen. Einen positiven Ausblick gab es zum Abschluss zum Thema Digitaler Bauantrag: Die zuständige Lenkungsgruppe hat kürzlich ihre Arbeit aufgenommen, bis Ende 2021 sollen die Ergebnisse der Konzeptphase vorliegen.

Text: Kristin Kerstein

 

 

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